Samstag, 7. August 2010

Sicherheitsbedürfnis

Eine der großen Tücken des Lebens sind bewegliche Halteverbotsschilder. In der Neuen Bahnhofstraße, wo oft unser Auto steht, wechseln sie - gefühlt - im Wochenrhythmus. Kanalbauarbeiten (denen ich bereits mit einen Strafzettel zum Opfer gefallen bin), Baumschnittarbeiten, Umzüge, Möbeltransporte. Das trügerische Gefühl, dies eine Mal beim Parken alles richtig gemacht zu haben, verfliegt schnell, wenn man des Morgens die Polizei erneut vor dem eigenen Fahrzeug stehen und Notizen machen sieht. 50 Zentimeter vor unserem Auto fing ein Halteverbot an - nochmal Glück gehabt. Ich bin mir sicher, dass dies letzte Woche dort nicht stand. Die sicherlich rechtlich geregelten Fristen zum Aufstellen eines solchen Schildes sind, wie lange sie auch sein mögen, nach dieser Erfahrung definitiv zu kurz.
Was mich heute morgen jedoch mehr wunderte als die mysteriösen Wanderbewegungen von Verkehrsschildern, war die Polizei, die sich mit den Verstößen meiner Vorparker beschäftigte. Es scheint ein gewisses Sicherheitsbedürfnis zu geben, wenn man in Friedrichshain zu einem Einsatz gerufen wird, der mit Autos zu tun hat. Die beiden Beamten (noch) in Grün trugen beide schusssichere Westen.

Donnerstag, 22. Juli 2010

In the summertime...

Der ein oder andere musste sich mein Geheule schon anhören. Ich bin tendenziell sowieso nicht so der Sommer-Typ, alles jenseits der 28 °C ist für mich pure Quälerei. Aber was sich da täglich in meinem Büro anspielt, ist sicherlich nur von Straßenbauern, die heißen Teer auf die Fahrwege kippen, überbietbar.
Regelmäßig zeigt unserer Thermometer auf Arbeit 3 bis 4 Grad mehr an, als was sich draußen so abspielt. Direkt unterm Dach, schwarze Fensterrahmen und schwarze Jalousien machen den Arbeitsplatz zur reinsten Sauna. Nur aus formellen Gründen verzichten wir noch auf den Bikini respektive Badehose. Der Schweiß tropft auf die Tastatur, mit dem Arm klebt man am Schreibtisch fest, wenn man die Maus bewegen möchte. Der Büro-eigene Kühlschrank ackert auch ganz schön. Und von den drei Ventilatoren, die nur unwesentlich zur Verbesserung des "Arbeitsklimas" beitragen, ist einer ganz allein zur Kühlung des Servers abgestellt, damit der nicht ganz so stark den Geist aufgibt wie die ihm zuarbeitenden Mitarbeiter. Diese können sich zumindest mit dem Kistenweise angeschleppten Mineralwasser akklimatisieren. Es ist schon komisch, wenn man das Wasser literweise in sich reinschüttet und trotzdem nicht aufs Klo muss. Die tägliche Eisration is obligatorisch. Der bekannte "Fauli-"Spruch muss angewandelt werden in"Beim Arbeiten schwitzen und beim Essen zerfließen".
Dass zudem der Magnet-Club unter uns abgerissen wird und der Lärm tagsüber dem Geräuschpegel aus vergangenen Zeiten in nichts nachsteht, die rhythmischen Bewegungen der Presslufthammer bis oben zu spüren sind, setzt dem ganzen noch die Sahnehaube oben drauf.
Gut, dass wir Freitag bis Sonntag nach Franken fahren. Erholen. Entspannen. Und ein dauerberegnetes Wochenende genießen.

Sonntag, 4. Juli 2010

Auto-Leasing in Friedrichshain

Seit 1,5 Monaten sind wir nun stolze Besitzer, wenn auch nicht Eigentümer, eines Honda Jazz. Nicht protzig, nicht teuer. Genau richtig um potenziellen Brandstiftern gar keine Angriffsfläche zu bieten. Sicher ist unser Auto dennoch nicht.
Nach zwei Wochen konnten wir bereits eine Delle mit abgekratzten Lack in der Stoßstange mit dazugehörigem Gummi-Abrieb vom Reifen des Dellenverursachers entdecken. Zusätzlich ein schöner Kratzer in der Fahrertür, dem gottseidank teilweise mit dem Zauberspray meines Papas beizukommen war. Jetzt, nur vier Wochen später, sind weitere Opfer zu beklagen: Eine weitere kleine Beule in der Heckklappe mit dazugehörigem Kratzer, der durch seine wellenartige Form auf bewusste Verursachung hindeutet. Auch wenn der Grad der Schuld nicht abschließend geklärt werden kann, so ist die Frage unserer verschwundenen Antenne zumindest keine von Fahrlässigkeit sondern ganz klarer Vorsatz.
Leben hier nur unfähige Autofahrer und mutwillige Zerstörer? Aber egal, was noch passiert: Ich lasse mich von diesen Leuten nicht nach Groß-Ziethen oder Strausberg verdrängen. Eher muss ich jetzt schon anfangen zu sparen, da in diesem Zustand die Rücknahme des Leasing-Wagens in drei Jahren schon auf der Kippe steht.

Dienstag, 1. Juni 2010

Schön war die Zeit...

Seit etwa einem Monat kochen Anika und ich mit steigender Häufigkeit am Wochenende für Oskar und uns gemeinsames Essen - unterstützt werden wir dabei neuerdings von einem Kochbuch mit Kleinkindkompatiblen Rezepten, das Oskar von seinem Onkel zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Anfangs kam uns das ganz schön spießig vor - eigentlich tut es das immer noch. Aber irgendwie verschafft es einem auch eine seltsame, fast unheimliche Genugtuung, seinem Kind mehr zu bieten als schnöde Gläschen- oder Anrührkost. Langsam allerdings nimmt das Ganze Ausmaße an, die nicht mehr feierlich sind. Am Sonntag ertappte ich mich dabei, wie ich mir einige rohe Möhrenstücke, die vom Raspeln für die selbstgemachte Familien-Bolognese (als Beilage zu Schrippenbällchen) übrig geblieben waren, in den Mund schob. Damit nicht genug musste ich erschrocken feststellen, dass sie mir sogar schmeckten. Ein Anflug von Ekel vor mir selbst durchfuhr meinen Körper, aber ich war dennoch nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Diese Episode bettet sich in eine nGesamtzusammenhang ein, der genau betrachtet, relativ scheußlich ist: Die Familie macht einen älter und häuslicher. Gesitteter und ruhiger. Die innerlichen zwanzig werden ratzfatz zu innerlichen dreißig Jahren, ohne dass man wirklich etwas daran ändern könnte. Es ist etwas, das einfach mit dir passiert, dem du hilflos ausgeliefert bist.
Plötzlich kochst du selbst für die Familie, und zwar nicht Maggi-Fix, sondern ein richtiges Rezept. Du freust dich irgendwie darauf, dein Kind von der Kita abzuholen und bist froh über jeden Tag unter der Woche, an dem du nicht abends unterwegs bist. Das Wochenende gehört tagsüber ohnehin der Familie, und abends hast du keine Lust auf dicke Partys oder Clubbesuche, sondern auf gemütliches Beisammensitzen mit Freunden, Wein, Bierchen und maximal Pokerchips. Für manche Aktivitäten deiner Bekannten fühlst du dich irgendwie nicht mehr geeignet, weil du "aus diesem Alter raus" bist. Aber warst du vor einem Jahr nicht auch nur unwesentlich jünger?
So schrecklich einem dieser Prozess aber erst einmal zu sein scheint: Wenn man ihn durchlaufen und gelernt hat, ihn zu akzeptieren, dann ist es eigentlich doch auch in Ordnung. Das ist nun mal der Lauf des Lebens, und da es die Natur diese Entwicklung (bei den meisten Menschen) so eingerichtet zu haben scheint, ist es im Endeffekt auch das Beste so. Letzten Endes ist es nur wichtig, diese Entwicklung emotional nachzuvollziehen, um danach wieder mit sich im Reinen zu sein.
Und das bin ich.

Sonntag, 30. Mai 2010

First time - First love

Ich habe es getan. Zum allerersten Mal. Es musste spontan kommen und durfte nicht geplant sein. Das hätte sonst nicht geklappt. Aber es hat geklappt und es war prima. Und wenn ich prima sage, dann meine ich wirklich sehr prima. Eigentlich ist es an Banalität nicht zu überbieten. Aber wer mich kennt, weiß, es war ein Meilenstein für mich. Eher schwierig, mich zu überwinden, und überhaupt nicht banal.
Ich habe heute das erste Mal meine Familie durch die Gegend kutschiert. Ohne Personen- und Blechschaden. Und - jetzt kommt der Hammer - es hat mir Spaß gemacht. Das Auto lässt sich sensationell fahren, nicht einmal abgewürgt, was allein schon eine Sensation ist, tolle Übersicht. Und ich bin sogar eingeparkt.
In einem halben Jahr wird aus dieser Sensation Alltag geworden sein, so dass es mir einfach nur ein Bedürfnis ist, meine überschwenglich gute Laune hier festzuhalten.

Samstag, 29. Mai 2010

Geteiltes Leid...

... ist halbes Leid. Vier Tage nach dem mehr oder minder schmerzhaften Verlust meines Fahrrades, ist nun auch das Fahrrad einer Kollegin geklaut worden. Natürlich auch in Prenzlauer Berg. Berlin - Hauptstadt der Fahrraddiebstähle.
Ich schaffe es leider nicht, heute in den Mauerpark zu gehen. Der soll ein Geheimtipp sein, wenn man geklaute Fahrräder wieder finden möchte.
Benjamin überlegt übrigens, sich ein Fahrrad zu kaufen. Na dann teilen wir halt noch mal.

Mittwoch, 26. Mai 2010

The Sixth Sense

... den hat auf jeden Fall meine Mutter ab und an. Unter anderem, als sie an einem Samstag partout nicht ins Auto einsteigen und uns Kinder allein zu Hause lassen wollte. Später an diesem Tag wurde mein Vater von einem anderen Auto im Dunkeln von der Straße abgelenkt. Das Auto lag im Graben und hatte nur um ein paar Zentimeter einen riesigen Baum verfehlt. Dieser sechste Sinn hat sich nicht auf mich vererbt, zumindest dachte ich dies bis vor Kurzem.
Vor zwei Wochen kaufte ich mir ein Fahrrad. Ich hatte das Bedürfnis, mich etwas mehr zu bewegen als von zu Hause zur KITA, von der KITA auf Arbeit, von Arbeit zumeist recht spät nach Hause, und am nächsten Tag von vorne. Es war kein schönes, kein großartiges Fahrrad. Sondern das billigste, was real-Sport so hergab. Ich hatte jahrelang ein Fahrrad besessen. Seitdem ich zwölf war. Das Rad gabs damals bei Kaiser´s und hat mich zwölf Jahre durch mein Leben begleitet. Der Abschied fiel schwer, als ich es beim Auszug aus meiner letzten Single-Wohnung einfach angekettet im Hof stehen ließ (ich weiß, das gehört sich nicht). Aber verkehrstauglich war es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.
Nun musste ich vier Jahre ins Land ziehen lassen, um mich zu entscheiden, dass Ersatz her muss. Ersatz zum Zwecke einer größeren Mobilität, sowohl im Sinne von Flexibilität als auch im Sinne von Bewegung.
Nachdem ich am Ostkreuz schon ein paar Jugendliche mit Bolzenschneider (und fünf Minuten später mit zwei Fahrrädern) gesehen hatte, war das Misstrauen in meine Mitmenschen groß. Ich wollte einfach nicht viel Geld ausgeben und entschied mich für das billigste, was es gab, und erhielt an der Kasse überraschender Weise sogar noch Rabatt.
Es sah nicht teuer aus, es sah nicht gut aus. Aber die Zweifel blieben. Jedes Mal, wenn ich mich dem Fahrradständer näherte (das Fahrrad wurde sowohl in Nähe der KITA als auch auf dem Hof auf Arbeit abgestellt), kamen Bedenken auf, ob denn meine neue Errungenschaft noch stand. Sie waren berechtigt, weil bereits in der ersten Nacht jemand versucht hatte, mein Schloss zu knacken, man konnte aber nur das Plastikgehäuse entfernen. Vierzehn Nächte später war es dann soweit: Es war weg. Mein Schloss hing noch, säuberlich mit einem Bolzenschneider durchtrennt, am Ständer. Und ich... Ich war nicht verwundert, wütend oder verzweifelt. Ich hatte es geahnt. Das Geld hatte ich bereits mit dem Kauf abgeschrieben (sog. sunk costs).
Mein (neu entdeckter) sechster Sinn hat mich nicht getäuscht.