Mittwoch, 14. April 2010

Klischees

Es gibt nur wenige Berufe, die auf dem Bliebtheitslevel eines Versicherungsvertreters rangieren (entschuldige bitte, lieber Onkel J.), aber Autoverkäufer gehören definitiv dazu. Von Urbeginn an hegte ich einen Groll gegen Autoverkäufer, ohne jemals mit einem zu tun gehabt zu haben.
Nun gehört Auto kaufen nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ein Auto ist zunächst einmal eine teure Angelegenheit. Nicht, dass der Preis nicht gerechtfertigt wäre, darum geht es nicht, sondern darum, dass man mit einem Mal ungeheuer viel Geld verbrät, selbst dann, wenn man einen Gebrauchten kauft. Weiterhin ist ein Auto kompliziert. Farbe und Form können leicht für gut oder eben nicht gut befunden werden, aber wie sieht es weiter aus? Da werden Test-Berichte gewälzt (dem Internet sei dank), Benzinverbrauch gecheckt, Autoversicherungen verglichen ebenso wie Finanzierungsangebote. Ich bin genau der Typ für sowas. Es macht mir Freude, genauso viel Freude wie der Kauf selbst oder die Nutzung danach. Aber bei Autos. Boah. War das nervig.
Nachdem die ganzen Vorarbeiten abgeschlossen, das Modell ausgesucht und eine Probefahrt absolviert waren, hatten wir dann diesem Termin. Natürlich bei einem Autoverkäufer. Herr W. war auch wirklich der Inbegriff eines Autoverkäufers. Hätte ich ihn auf der Straße kennen gelernt, ich hätte ihn für einen Versicherungsvertreter gehalten oder, an zweiter Stelle, eben für das was er war. Was machte mich so sicher? Dieser Brilli im Ohr? Das Goldgeschmeide an der Hand und am Hals. Dieses Hochzeitsfoto, auf dem er stolz seine geschätzt 10 Jahre jüngere, blonde Frau wie eine Trophäe in den Händen hält? Wahrscheinlich alles zusammen.
Er mochte keine Kinder. Das an sich ist sicherlich nicht schlimm, sollte ich doch aber als Verkäufer von Familien-Kutschen dies nicht ganz so offensichtlich raushängen lassen. Er mochte uns nicht. Schließlich zahlten wir weder bar noch finanzierten wir das Auto komplett sondern entschieden uns für die Leasing-Variante. Er wurde nicht müde, uns vorzurechnen, wieviel Verlust er mit diesem Geschäft macht und wieviel Aufwand dieser ganze Papierkrieg für ihn bedeutete. So ein armer Mann. Ich hätte fast Trinkgeld gegeben.
Was bleibt, ist der Ärger, nicht gleich aufgestanden zu sein um wo anders zu leasen, die berechtigte Angst, nicht alle Risiken zu überblicken und in eine Geldvernichtungsmaschine investiert zu haben sowie die Enttäuschung, dass sich dieses berauschende Gefühl, was einem oft nach dem Kauf wertvoller, teurer oder besonderer Dinge übermannt, einfach nicht einstellen möchte. Positiv bewertet kann an diesem Vorgang abgesehen von der für uns gewonnenen Freiheit nur eine Sache bewertet werden: Es zeigte, dass sich Klischees bestätigen. Ob dies nun den Zusammenhang von Sympatie und Autoverkäufern oder von Frauen und Autos betrifft, sei dahin gestellt...

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