Dienstag, 1. Juni 2010

Schön war die Zeit...

Seit etwa einem Monat kochen Anika und ich mit steigender Häufigkeit am Wochenende für Oskar und uns gemeinsames Essen - unterstützt werden wir dabei neuerdings von einem Kochbuch mit Kleinkindkompatiblen Rezepten, das Oskar von seinem Onkel zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Anfangs kam uns das ganz schön spießig vor - eigentlich tut es das immer noch. Aber irgendwie verschafft es einem auch eine seltsame, fast unheimliche Genugtuung, seinem Kind mehr zu bieten als schnöde Gläschen- oder Anrührkost. Langsam allerdings nimmt das Ganze Ausmaße an, die nicht mehr feierlich sind. Am Sonntag ertappte ich mich dabei, wie ich mir einige rohe Möhrenstücke, die vom Raspeln für die selbstgemachte Familien-Bolognese (als Beilage zu Schrippenbällchen) übrig geblieben waren, in den Mund schob. Damit nicht genug musste ich erschrocken feststellen, dass sie mir sogar schmeckten. Ein Anflug von Ekel vor mir selbst durchfuhr meinen Körper, aber ich war dennoch nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Diese Episode bettet sich in eine nGesamtzusammenhang ein, der genau betrachtet, relativ scheußlich ist: Die Familie macht einen älter und häuslicher. Gesitteter und ruhiger. Die innerlichen zwanzig werden ratzfatz zu innerlichen dreißig Jahren, ohne dass man wirklich etwas daran ändern könnte. Es ist etwas, das einfach mit dir passiert, dem du hilflos ausgeliefert bist.
Plötzlich kochst du selbst für die Familie, und zwar nicht Maggi-Fix, sondern ein richtiges Rezept. Du freust dich irgendwie darauf, dein Kind von der Kita abzuholen und bist froh über jeden Tag unter der Woche, an dem du nicht abends unterwegs bist. Das Wochenende gehört tagsüber ohnehin der Familie, und abends hast du keine Lust auf dicke Partys oder Clubbesuche, sondern auf gemütliches Beisammensitzen mit Freunden, Wein, Bierchen und maximal Pokerchips. Für manche Aktivitäten deiner Bekannten fühlst du dich irgendwie nicht mehr geeignet, weil du "aus diesem Alter raus" bist. Aber warst du vor einem Jahr nicht auch nur unwesentlich jünger?
So schrecklich einem dieser Prozess aber erst einmal zu sein scheint: Wenn man ihn durchlaufen und gelernt hat, ihn zu akzeptieren, dann ist es eigentlich doch auch in Ordnung. Das ist nun mal der Lauf des Lebens, und da es die Natur diese Entwicklung (bei den meisten Menschen) so eingerichtet zu haben scheint, ist es im Endeffekt auch das Beste so. Letzten Endes ist es nur wichtig, diese Entwicklung emotional nachzuvollziehen, um danach wieder mit sich im Reinen zu sein.
Und das bin ich.

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